Die leeren Räume in meiner nächsten Umgebung in letzter Zeit haben mich etwas zum nachdenken gebracht. Meine Mitbewohnerin ist ausgezogen und als ich an dem Abend, nachdem sie endgültig die letzten Kartons und Habseligkeiten in die neue Wohnung gebracht hatte, mich in ihrem leeren Zimmer wiederfand stellte ich fest, dass dieser leere Raum mich auf zwei sehr unterschiedliche Arten ansprach.
Auf der einen Seite war ich traurig und fühlt mich auch ein wenig einsam. Sie war mir sehr ans Herz gewachsen und es war nun komisch, ganz alleine in der Wohnung zu sein. Ganz theatralisch könnte man es so formulieren, dass die Leere, die sie in meinem Herzen hinterlassen hatte, Gestalt annahm in Form des leeren Zimmers. Die Erinnerung an die gemeinsamen Abende hallte nach wie jeder winzige Ton im nun viel größer erscheinenden, leeren Zimmer. Ein bisschen wunderte ich mich über das melancholische Gefühl, dass mich an diesem Abend überkam. Warum freute ich mich nicht, die ganze Wohnung nun ein paar Tage für mich alleine zu haben? Endlich mal morgens nicht leise sein. Endlich mal einfach den Abwasch noch ein bisschen länger stehen lassen. Endlich einfach allein. Aber so ging es mir nicht. Ich wusste, dass sie nicht wiederkommen würde und die fehlenden Gegenstände in der ganzen Wohnung machten mir dies in den kommenden Tagen auch immer wieder bewusst.
Auf der anderen Seite bedeuten leere Räume jedoch auch Platz für Neues. Platz für neue Ideen, für Kreativität, für einen Neuanfang. Der Auszug meiner Mitbewohnerin und der Einzug meiner jetzigen war ein großer Neuanfang. Wir müssen uns nun erst einmal aneinander gewöhnen und uns richtig kennenlernen, einen neuen Alltagsrhythmus zusammen finden. Zusammen können wir nun der Wohnung eine ganz neue Atmosphäre verleihen, sie zu unserer Wohnung machen. Auch die Ideen zur Neugestaltung der Küche und unserem doch recht großen Flur kamen mir, während ich noch einsam in den leeren Räumen war. Leere Räume bieten also auch immer eine wunderbare Quelle der Inspiration. Ich freue mich schon jetzt darauf einmal meine eigene kleine Wohnung einzurichten und hoffe, alle Ideen umsetzen zu können. Leider sind ja häufig finanzielle Grenzen gesetzt, aber träumen darf man ja.
Inzwischen ist der Aus- und Einzug schon ein paar Tage her. Die letzten zwei Wochen habe ich in Birmingham verbracht. Doch darüber werde ich in Kürze mehr berichten, wahrscheinlich auch mit ein paar Bildern.
Ja, so ist das...bevor man sich darüber freuen kann, dass die neue Situation einem neue Möglichkeiten bietet muss man oft erst mal trotzdem ein bisschen traurig sein und das bisherige beweinen. Aber das finde ich richtig! Wir wissen ja trotzdem noch, dass es danach auch weiter geht. Ich will kein gefühlssteriles Stehaufmännchen sein das sich nie auch mal traurig sein lässt, da würde dann doch etwas fehlen.
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